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24.07.2015, 18:50 Uhr | Schwarzwälder Bote / Manfred Beathalter
Christdemokraten suchen nach neuem Profil
Die CDU-Bundespartei wird diesen Sommer 70 Jahre alt, der Stadtverband feiert das eigene Jubiläum im kommenden Jahr: In Stadt und Land heften sich die Christdemokraten derzeit große Verdienste an die stolze Brust. Aber so richtig sorgenfrei scheinen sie nicht zu sein.
Martin Lienhard (links) und Franz Schuhmacher wollen junge Leute für die Parteiarbeit motivieren.
Zwar kamen am Mittwochabend rund 50 Teilnehmer ins Hotel "Grüner Baum", um sich zum 70-jährigen CDU-Jubelfest zu gratulieren. Eine reine Jugendveranstaltung war dies aber nicht. Aus den Rede- und Diskussionsbeiträgen war Kritisches zu entnehmen: Die CDU sucht nach einem neuen Profil und einem Weg, wie man junge Leute wieder ins politische Leben zurückholen könnte.
Martin Lienhard, 53 Jahre alt und seit März der neue Vorsitzende des CDU-Stadtverbandes, räumt im Gespräch mit unserer Zeitung ein, dass die jungen Leute sich nur schwer begeistern ließen für eine regelmäßige politische Arbeit. Die Donaueschinger Christdemokraten seien bisher viele Jahre von Reinhard Müller gut geführt worden. "Da ist nichts gravierend schief gelaufen." Immerhin habe die CDU mit der Jungen Union noch eine Jugendorganisation, so Lienhard. Er wünsche sich aber, "dass es noch lebhafter zugeht. Ich bin motiviert, da auch tätig zu werden und zum Beispiel die Generation zwischen 20 und 30 Jahren anzustacheln".
Franz Schuhmacher aus Spaichingen, von 1996 bis 2006 für den Wahlkreis Tuttlingen-Donaueschingen im Landtag, hob viele Verdienste der Christdemokraten beim Aufbau der Bundesrepublik Deutschland in den vergangenen sieben Jahrzehnten hervor. Von Wirtschaftswunder über soziale Marktwirtschaft bis hin zur Wiedervereinigung Deutschlands 1989/ 1990 reichte sein Stichwortzettel. Ein Blick ins Jahr 2030 brachte den verdienten Politiker und Unternehmer aus dem Schwäbischen aber doch zu dringenden Appellen: Die Entwicklung der Bevölkerungszahlen gebe Anlass zur Sorge. Hinzu kämen Flüchtlingsprobleme, veränderte Familienstrukturen, Wertewandel auf breiter Ebene und die zunehmende Gefahr einer rechten Partei, die sich die Asylthematik zunutze machen könnte, benannte Schuhmacher gravierende Herausforderungen für die Politik. Für das Profil seiner Partei sieht Franz Schuhmacher den Weg, "das konservative Image wieder zum Thema machen, aber trotzdem an der Spitze der Entwicklung stehen".
"Wir brauchen Zivilcourage, Vorbilder, Zusammenarbeit und Unterstützung, Ordnung und Regeln, ein friedliches Europa und Kreativität. Wir müssen Innovations-Weltmeister bleiben." Hier habe Donaueschingen mit dem Kinder- und Jugendmuseum auf die richtige Schiene gesetzt, denn sie wecke nicht nur Verständnis für Technik, sondern setze Begegnung und gemeinsames Tun voraus.